1. Kapitel „Alles Quatsch“
Der Auflauf stand im Ofen und roch gut. Das geht solange gut, bis was passiert, hörte ich meine Mutter um die Ecke rufen. Ich schaute um besagte, da war aber niemand. Macht nichts, sagte ich mir.
Es war kalt und Winter vor der Tür, die Sonne schien nur ab und zu diese Tage. Ich hatte zuviel nachgedacht und war zu keinem Ergebnis gekommen. Leere Worthülsen und Gedankenfetzen lagen auf dem Tisch und dem Boden. Verstreut und verschmiert bewegten sie sich durch die Wohnung, krabbelten Wänden rauf und versammelten sich um die Rauchmelder an den Zimmerdecken. Es war spät geworden.
Am nächsten Morgen war alles verschwunden und ich lag im Gras auf einer Wiese. Keine Wothülsen, keine Gedankenfetzen, keine Rauchmelder, keine Wände, keine Zimmerdecken, keine Wohnung, kein Bett. Alles weg.
Der Kaffee war teurer geworden. Aber das half ja nichts. Auch Benzin, auch Strom war teurer. Ich fuhr ein Hybridauto und brauchte beides. Alles. Meine Mutter warnte mich. Sie wußte es besser, wie immer und hatte wie immer Recht. Ein grünroter Schimmel kam angeritten und nahm mich mit. Ich schwang mich auf und ritt davon.
2. Kapitel „Es ist nichts, wie es scheint“
Wir trafen uns an einer Strassenecke im Prenzlauer Berg an einem Samstag Nachmittag. Es begann gerade zu regnen und so stellten wir uns unter. Der Regen prasselte auf die Markise unter der wir standen.
Ich dachte an dunklen Wolken, die Teil meines Lebens (und anderer Leben) waren und noch sind. Meine waren mit der Zeit und der andauernden und professionellen und leidenschaftlichen Auseinandersetzung etwas durchsichtiger geworden, und es kam vor, dass ich sie ab undzu gar nicht mehr bemerkte.
An diesem Samstag Nachmittag in Berlin, gab es trotz Regen keine dunklen Wolken. Zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Aber stand da nicht der farbige Schimmel auf der anderen Strassenseite und lächelte mich an? Kann doch nicht sein, oder? Meine Verabredung gab mir einen Kuss und verabschiedete sich und überquerte die Strasse. Beide weg. Aber farbiger Schimmel ist ja eh Quatsch, sagte ein Passant. Hat ja Recht, dachte ich und holte mir einen Döner.
Abends legte ich mich in Ermangelung der Wohnung, des Bettes, wieder in Gras und schlief 2 Wochen lang.
3. Kapitel „Wir geben nicht auf“
Niemals, hörte ich sie aus dem Badezimmer rufen. Und plötzlich war alles wieder da, Rauchmelder, Wände, Zimmerdecken, die Wohnung, das Bett, und eine Frau in meinem Badezimmer. Niemals, hörst du, rief sie. Was hatte ich vergessen oder übersehen? Oder träumte ich?
Ich ging nachsehen. Da stand eine Frau in meinem Bad, die sich aufführte als gehöre sie dort hin, als wäre sie meine Freundin oder ich ihr Ehemann. Ich war verwirrt.
Sie stand da und sah mich an während sie mit jemandem telefonierte. (Später erfuhr ich, dass es ihre Mutter war.)
Sie hielt das Telefon kurz von sich weg und flüsterte: kannst du uns einen Kaffee machen?
In der Küche hörte ich nur noch vereinzelte Wortfetzen, wie „“stimmt nicht“, „oh mann“, „echt jetzt“… Ich machte uns einen Kaffee, den wir gemeinsam an Küchentisch tranken, während draussen die Sonne langsam begann aufzugehen.
Es war Herbst geworden, braune, gelbe, rote Blätter an den Bäumen und auf den Strassen und Gehwegen. 25 Jahre waren wir nun verheiratet.
4. Kapitel „Die Zeit danach“
Dann kam der Winter, und der Frühling und es wurde Sommer und es kam alles anders als erwartet.
Als der Sommer fast zuende war, wurde ich krank und starb kurz darauf. Da war leider nichts zu machen. Es war ein schöner, warmer Tag, mir war übel von den vielen Medikamenten und ich sah aus dem Fenster.
Als es Abend geworden war, setzte sich meine Frau zu mir und wir unterhielten uns lange. Sie sprach viel, ich weniger. Ich hörte ihr gerne zu. Nach diesem Abend und der Nacht wachte ich nicht mehr auf.
Er war ein Arbeitskollege und die beiden heirateten einige Jahre später und bekamen 2 Mädchen, Louise und Fanny. Sie war sehr glücklich mit ihn (und er mit ihr) und alles war gut.
Eines Morgens hörte er sie ihm Bad mit ihrer Mutter telefonieren, während er den Mädchen Frühstück machte. Niemals, hörte er sie rufen. Niemals hörst du?
An diesem Morgen waren sie spät dran und mussten sich beeilen und er kam nicht dazu sie zu dem Inhalt des Telefonats zu befragen.
Wenige Tage zuvor, als die Sonne gerade unterging, war sie mich besuchen und legte Blumen auf mein Grab und rupfte etwas Unkraut. Ich stellte mir vor wie sie jetzt und gerade aussehen würde. Es war seltsam hier zu liegen während um mich herum, über mir und ausserhalb von mir das Leben weiterging. Ein Leben mit Dingen und Menschen, die einmal Teil meines waren.
Nach diesem Gedanken nahm ich einen großen Schluck vom dem guten Wein und spielte eine weitere Parti Schach mit einem Engel. War ja nicht schlecht hier, sagte ich mir und nahm einen weiteren Schluck.
